Kapitel 01
Die Geschichte
Geblendet vom Recht, gezeichnet vom Unrecht.
Aus den Tiefen einer Welt, in der das Gleichgewicht zerbricht, erhebt sich Justitia – nicht triumphierend, sondern gezeichnet. Einst Sinnbild unbestechlicher Gerechtigkeit, ist sie heute eine erschöpfte Wächterin. Ihr Blick – verborgen hinter dem Tuch der Unparteilichkeit – sieht nicht mehr nur Recht und Ordnung, sondern die endlose Last von Urteilen, die nie heilen.
Sie weint. Schwarze Tränen sickern durch das Band auf ihren Augen, getragen von der Müdigkeit unzähliger Entscheidungen. Die Waage in ihrer Hand ist rostig, das Schwert schwer geworden – denn die Gerechtigkeit ist nicht gestorben, aber sie leidet. Und doch, inmitten der Dunkelheit bleibt sie bestehen. Gebrochen, aber nicht gefallen. Ihr Schweigen spricht für alle, die keine Stimme mehr haben. Ihre Gegenwart erinnert daran, dass selbst im Schatten Hoffnung wohnt – weil sie ist, was sie immer war: das Prinzip der Gerechtigkeit selbst.